Buchbesprechungen



„Odyssee ins Glück“. 10 Jahre als Rad-Nomaden um die Welt
von Dorothee Krezmar und Kurt Beutler


Besucher der ADFC-Schau „Rad und Reise“ werden sich sicher noch gut an den Diavortrag „10 Jahre als Rad-Nomaden um die Welt“ von Dorothee Krezmar und Kurt Beutler erinnern. Seinerzeit hielten sie ihren eigentlich zweistündigen Vortrag in einer gekürzten 40-minütigen Version. Alle waren fasziniert und begeistert von einem Vortrag, der trotzt der Kürze, die Eindrücke einer 10 Jahre dauernden Weltreise per Fahrrad „erlebbar“ macht.


Die beiden „Radnomaden“ haben auch ein Buch über ihre Weltreise geschrieben. Anders als im Vortrag, der einiges thematisch zusammenfasst, gehen sie im Buch chronologisch vor. Vieles, was im Vortrag nur kurz angesprochen wird, kommt hier ausführlich zur Sprache.


Zunächst sollte die Radreise nach Asien gehen. Wie lange sie wegbleiben wollten, war noch nicht fest geplant. Aber eigentlich hatten sie nicht vor, 10 Jahre unterwegs zu sein. Sie wollten sich Asien gründlich per Rad anschauen; 2 Jahre haben sie dafür benötigt. Dann addierten sich 3 Jahre Nord- und Südamerika, 1 Jahr Neuseeland und Australien und 3 Jahre Afrika. Nach 9 Jahren Rad-Nomadentum mussten sie aus familiären Gründen schnurstracks von Südafrika nach Deutschland zurück. Im 10. Jahr ging es im Schneesturm über den Grimselpass in der Schweiz.

Da beide Autoren während ihrer Radreise getrennt Tagebücher geschrieben hatten, wäre auch genug Material für zwei Bücher vorhanden, zumal ja doch jeder die erlebten Situationen und Landschaften anders aufnimmt und im Tagebuch festhält. Aber so haben sie entschieden, das die Kapitel des Buches abwechselnd geschrieben werden. Das bringt eine gewisse Abwechslung im Erzählstil und eine große Lebendigkeit mit sich.


Der langsame Reisestil - „reduce speed“ - ergab viele intensive Erlebnisse mit der Natur und Menschen. Viele Anekdoten reihen sich aneinander, aber es wird beim Lesen nie langweilig.


Man merkt dem Buch (ebenso wie dem Dia-Vortrag) deutlich an, dass die beiden ihre Weltreise nicht gemacht haben, um später das Erlebte in klingende Münze umzuwandeln. Sehr authentisch vermitteln sie ihre Erlebnisse, ganz anders (und viel schöner und sympathischer) als mancher Abendteuer-Radler, der die Radreise danach plant, was sich hinterher am besten verkaufen lässt.


Auch wenn kaum jemand die Zeit (und auch die Lust) hat, für 10 Jahre per Rad auf Weltreise zu gehen, so spürt man nach der Lektüre den Drang, mit dem Rad in fremde Welten aufzubrechen, wenn es denn auch nur ein paar Wochen sind.


Gut 380 Seiten sind es geworden, mit vielen Fotos in schwarz-weiss und in der Mitte des Buches ein Block mit Farbfotos. Hier setzt auch die einzige Kritik am Buch an: eigentlich hätte man natürlich gerne alle Fotos in Farbe gesehen, aber vermutlich hätte dies den Preis des Buches deutlich nach oben korrigiert.

Das Buch führt uns (ebenso wie der Dia-Vortrag) sehr schön vor Augen, wie sehr sich unsere Welt in den letzten 12 Jahren verändert hat. Als die beiden aufbrachen, steckte die „Informationsgesellschaft“ noch in den Kinderschuhen. Handy, Internet, E-Mail und auch Digitalfotografie waren noch fast unbekannt. Radler, die heute zu einer monate- oder jahrelangen Tour aufbrechen, fahren mit Netbook und Digitalkamera und führen unterwegs einen Blog, den sie mit Fotos ausschmücken.

„Odyssee ins Glück“ von Dorothee Krezmar und Kurt Beutler, REISE KNOW-HOW Verlag, ISBN 978 3 89662 520 5, 384 Seiten, 136 Bilder und 10 Karten, 19,90 Euro oder direkt bestellen bei den Autoren unter: buch@reducespeed.de. Das Buch wird innerhalb Deutschlands portofrei zugeschickt (auf Wunsch mit Signatur und Stempel).


Wer den sehr empfehlenswerten Lichtbilder-Vortrag sehen möchte, findet die nächsten Termine auf der Internetseite der „Radnomaden“: http://www.reducespeed.de

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„Die Wissenschaft vom schnellen Radfahren“ von Andreas Pooch



Bücher, die sich mit „schnellem Radfahren“ beschäftigen, haben meist den Rennradsport zum Thema. Oft handelt es sich um schöne, aber auch nicht ganz billige Bildbände, bei denen die Fotos wichtiger sind als der Text. Über das vom ADFC behandelte Spektrum des Radfahrens gehen die meisten dieser Veröffentlichungen deutlich hinaus, hier geht es um sportliche Höchstleistung. Titel und Titelbild des vorgestellten Buches lässt eine ähnliche Thematik vermuten, aber ein kurzer Blick in das Inhaltsverzeichnis belehrte mich eines Besseren. Sicher geht es auch in diesem Buch um sportliche Leistung, aber eben nicht nur.

Vor allen Dingen lässt das Buch das Thema „Rennrad“ weit hinter sich und widmet sich allen Aspekten sogenannter „Muskelkraft betriebener Fahrzeuge“ unter dem Aspekt der Aerodynamik. Es gibt auch viele (zumeist farbige) Fotos, die den Text sehr schön ergänzen.



Andreas Pooch hat ein ganzes Bündel von Themen rund um die Aerodynamik zusammengeschnürt. Das fängt an mit einem Blick in die Geschichte, bei dem man feststellt, dass viele Ideen, die zu Anfang des 20. Jahrhunderts aufkamen in den 80-er und 90-er Jahren eine Renaissance erlebten. Weitere Kapitel behandeln die Stundenrekorde, Zeitfahren, Velomobile und Liegeräder. Abgerundet wird das Ganze durch die Themen Luftphysik, menschliche Leistungsfähigkeit und Werkstoffkunde.

Es geht in diesem Buch auch um Rekorde, aber gerade in den Kapiteln über Velomobile und Liegeräder spielen sie eine untergeordnete Rolle. Nebenbei bekommt man hier einen Überblick über die Entwicklung der Liegeräder in den letzten dreißig Jahren. Pooch versteht es, auch komplizierte Sachverhalte für einen Laien verständlich darzustellen. Knapp aber fundiert sind seine Erklärungen, er folgt dem Leitspruch: ein Bild sagt mehr als tausend Worte.


Fazit: ein rundum gelungenes Buch, bei dem auch ein Alltagsradfahrer ohne große sportliche Ambitionen auf seine Kosten kommt. Man könnte sich eine windschnittigere Jacke zulegen, die sich bei Gegenwind nicht wie ein Segel aufbläht. Oder man übt das Windschatten fahren. Wäre ein Sessel- oder Liegerad nicht doch eine bequeme und schnelle Alternative?

Also, nichts zu meckern? Nur Kleinigkeiten: Das Layout des durchgängig farbig gedruckten Buches hätte etwas professioneller sein können. Die Themenreihenfolge scheint mir nicht so ganz gelungen. Das Ganze wirkt manchmal etwas sprunghaft. Aber wer zwingt einen schon dazu, ein Buch von vorne bis hinten durchzulesen.

Das Buch „Die Wissenschaft vom schnellen Radfahren“ von Andreas Pooch kann zum Preis von 28,90 EUR versandkostenfrei direkt beim LD-Verlag, Daubitz & Pooch GbR, Heilbrunnenstr. 15, 51570 Windeck bestellt werden. Internet: http://www.ld-vlg.de/aerobuch.htm

Buchbesprechung von Bernd Fuchs


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