Kein Radfahrverbot in der Schlebuscher Fußgängerzone

Das Radfahren ist in Schlebuscher Fußgängerzone wieder — wie früher — erlaubt!

Die Bezirksvertretung III hat mit großer Mehrheit beschlossen, dass Radfahrer weiterhin in der Schlebuscher Fußgängerzone unterwegs sein dürfen. Das Ergebnis der Umfrage der Stadtverwaltung in der Fußgängerzone war ausschlaggebend für diese Entscheidung. Danach hatten sich rund zwei Drittel der Befragten gegen das Radfahrverbot ausgesprochen.


Ergebnis der Passantenbefragung zum Radfahren in Schlebusch steht fest

Das Ergebnis der Passantenbefragung zum Radfahren in der Fußgängerzone Schlebusch in der Zeit vom 18. bis 24.08.2015 steht nun fest. Der Rücklauf belief sich auf insgesamt 4.833 Fragebögen, welche alle in der Auswertung seitens der städtischen Statistikstelle berücksichtigt wurden.
Danach sprechen sich 63,9 % aller Befragten (und 67,7 % aller befragten Schlebuscher) dafür aus, dass das Radfahren in der Fußgängerzone Schlebusch — wie bisher — generell erlaubt bleiben soll.
Oberbürgermeister Reinhard Buchhorn beabsichtigt, der Bezirksvertretung III für ihre Sitzung am 03.09.2015 eine entsprechende Vorlage vorzulegen, in der er eine Aufhebung des Bezirksbeschlusses vom 12.03.2015 und die Beibehaltung der bisherigen Regelung des generellen Radfahrens in der Fußgängerzone Schlebusch sowie der bisherigen Radwegeführung durch die Fußgängerzone Schlebusch vorschlagen wird.

Abstimmung über das Radfahrverbot in der Schlebuscher Fußgängerzone

Die Bezirksvertretung des Stadtbezirks III hat im März 2015 die befristete Einführung eines zeitlich beschränkten Radfahrverbotes in der Fußgängerzone Schlebusch beschlossen. Aufgrund von Beschwerden aus der Bevölkerung und einer nicht repräsentativen Umfrage der Werbe- und Fördergemeinschaft Schlebusch wurde das Verbot vorerst ausgesetzt.

Um ein repräsentatives Meinungsbild zu bekommen, wird die Befragung in der Zeit von
18. bis 24. August, werktags von 9 bis 19 Uhr, Sonntag von 10 bis 19 Uhr
in der Fußgängerzone Schlebusch durchgeführt.

Passanten haben dann die Gelegenheit, sich anhand eines Fragebogens zum Radfahrverbot zu äußern. Nach Auswertung der Fragebögen erhält die Politik das Ergebnis zur Kenntnis. Je nach Ergebnis der Befragung wird die Verwaltung den Bezirksbeschluss zeitnah umsetzen oder aber der Bezirksvertretung eine neue Beschlussempfehlung zur Entscheidung vorlegen.

Bisher: Gutes Miteinander von Fußgängern und Radler/-innen

Die Bergische Landstraße war jahrzehntelang eine Einkaufsstraße mit so viel Autoverkehr und Busverkehr, dass auf den Bürgersteigen kaum Platz für Fußgänger und Radfahrer blieb, da sie zugeparkt waren. Mit der Umwandlung dieser Straße in eine Fußgängerzone (FGZ) vor etwa 20 Jahren wurde sie von Anfang an für Radler und Radlerinnen den ganzen Tag freigegeben. Das Miteinander von Fußgängern und Radfahrer funktionierte bis zu diesem Frühjahr sehr gut. Es hat unseres Wissens nach nahezu keine aktenkundigen Unfälle gegeben.


Wie kam es zum Radfahrverbot?

Im Januar 2015 wandte sich das Seniorenforum an die Schlebuscher Bezirksvertretung mit einem Bürgerantrag. Sie erreichte, dass die Bezirksvertretung auf ihrer nächsten Sitzung mit den Stimmen von CDU und SPD die Sperrung der Schlebuscher FGZ von 8 bis 20 Uhr beschloss. Für den ADFC ist es unverständlich, warum die Sperrung bis 20 Uhr dauern soll. Er plädiert zumindest für eine Öffnung ab 18 Uhr.

Die Fußgängerzone in Wiesdorf mit erheblich mehr Fußgängern ist verständlicherweise von 10 bis 19 Uhr für Radfahrer gesperrt. Lediglich die Breidenbachstraße und die Durchquerung in Höhe der Rathausgalerie ist ganztägig gestattet.
Die Fußgängerzone in Opladen ist leider seit einem einzigen Zwischenfall zwischen einem Fußgänger und einem Radler von 9 bis 19 Uhr gesperrt.

Die Bezirksvertretung III hat in ihrer letzten Sitzung zumindest die Sperrzeiten auf 11 bis 18 Uhr verändert. Trotzdem soll diese Sperrung der Fußgängerzone für sechs Monate eingerichtet werden. Danach werden die Bürger gefragt und neu über die Situation seitens der Bezirksvertretung beraten.


Begehung des ADFC mit der FDP Leverkusen in Schlebusch


Von links: Uwe Bartels,
Dr. Monika Ballin-Meyer-Ahrens (beide FDP),
Marie-Agnes-Kratz, Heinz Boden (beide ADFC)

Am 24. April trafen sich auf Einladung der FDP: Dr. Monika Ballin-Meyer-Ahrens, Uwe Bartels, Christine Blasberg, Benedikt Vennemann von der FDP, Herr Nohl von den „Grünen“ und Heinz Boden, Sigrid Ernst, Dagmar Faust und Marie-Agnes Kratz vom ADFC und 15 weitere Interessierte, um sich die Situation in Schlebusch vor Ort anzusehen und Meinungen auszutauschen.


Probleme bei der Sperrung der Fußgängerzone

Sowohl die FDP als auch der ADFC verwiesen darauf, dass die Schlebuscher FGZ von Anfang an für Radfahrer freigegeben wurde, auch weil es keine Alternative zur Bergischen Landstraße gibt. Die östlich verlaufende Dechant-Fein-Straße endet in einer Sackgasse; der kombinierte Fuß- und Radweg entlang der Oulustraße war so eng, dass dieser Weg umgewidmet wurde zu „Fußweg, Radfahrer frei“. Danach können Radfahrer auf der Straße fahren, was aber gerade nachmittags wegen des starken Autoverkehrs keine Alternative ist. Unsichere Radfahrer können weiterhin den Bürgersteig benutzen.


Aus diesen Gründen waren sich ADFC und FDP einig, dass die Durchfahrt für Radfahrer durch die Fußgängerzone erhalten bleiben muss. Die Öffnung lediglich von 20 bis 10 Uhr zwingt insbesondere die Schulgruppen auf dem Nachhauseweg und Berufs-Pendler zu weiten Umwegen.

Der Beschluss der Bezirksvertretung bedingt nicht nur neue Schilder für die FGZ, sondern auch eine neue Radwegweisung für auswärtige Radler, die dadurch allerdings auch der Gastronomie ferngehalten werden. Die Kosten für die Beschilderung und die neue Radwegweisung (von 4000 Euro) stehen aber in keinem Verhältnis zu den Problemen in der FGZ, die bei der Polizei nicht aktenkundig sind.


Einkaufen per Rad in der Fußgängerzone

Die FDP will sich dafür einsetzen, dass mehr Fahrradständer in und am Anfang und Ende der FGZ aufgestellt werden. Doch der ADFC betonte, dass es Radler gibt, die nicht mehr so gut zu Fuß sind und bis zum Geschäft fahren wollen. Wenn sie ihr Fahrrad am Anfang der FGZ abstellen sollen, müssten sie auch die Einkäufe dahin schleppen. Dann werden diese Radler sicherlich wieder eher ihr Auto nehmen und zu Einkaufszentren fahren, die bequemere Parkmöglichkeiten bieten als Schlebusch. Damit würde gerade das umweltfreundlichste Einkaufsverhalten torpediert.


Den Radverkehr aus der Fußgängerzone herauszuhalten hätte nach Meinung des ADFC also auch die Konsequenz, dass diese Kunden den Schlebuscher Geschäften verloren gehen, wenn sie die FGZ mit dem Rad umrunden sollen und nur noch gezielt bestimmte Geschäfte ausserhalb ansteuern. Neue Geschäfte, die in der FGZ eröffnen, werden von dieser eigentlich gewünschten Kundenklientel nicht mehr wahrgenommen. Folge eines solchen Kundenschwund in Schlebusch wäre, dass sich noch mehr Leerstand einstellt oder alteingesessene Geschäfte durch 1-Euro-Läden ersetzt werden (siehe Opladen). Das kann aber nicht im Sinne der Bezirksvertretung und des Seniorenforums sein.

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„Schritttempo“ in der Fußgängerzone

Der ADFC wies darauf hin, dass der Radfahrer zwar das Schild „Radfahrer frei“ hat, darunter aber auch die Aufforderung „Schritttempo“. Leider wird das Gebot des „Schritttempos“ von einigen Radler nicht eingehalten. In der Diskussion wies ein Teilnehmer darauf hin, dass er so langsam nicht fahren könne. Diese Radler und leider auch einige Pedelec-Fahrer mit nicht angemessener Geschwindigkeit verstärken das Unsicherheitsgefühl der Fußgänger. Der ADFC kann ein solches Verhalten nicht gut heißen.

Der Bundesverband des ADFC schreibt zum Thema: „Fußgängerzonen sind dazu da, dass Menschen gemütlich durch Innenstädte schlendern können, ohne auf Fahrzeuge achten zu müssen. Manche Kommunen entscheiden sich dafür, Fußgängerzonen ganz oder teilweise für Radfahrer freizugeben, zum Beispiel wenn die Fußgängerzone sonst eine wichtige Radverkehrsachse durchtrennen würde. Dass es dann zu Konflikten kommen kann, ist klar. Es gibt aber auch Städte, in denen freigegebene Fußgängerzonen sehr gut funktionieren.


Deshalb muss die Kommune in jedem Einzelfall prüfen, ob eine Fußgängerzone mit dem Zusatz „Radfahrer frei“ in der gegebenen verkehrstechnischen Situation sinnvoll ist oder nicht. Ein erhöhtes Unfallrisiko entsteht durch die Freigabe in der Regel nicht. Damit das „Zusammenleben“ von Fußgängern und Radfahrern in der Fußgängerzone funktioniert, müssen sich Radfahrer ausgesprochen rücksichtsvoll verhalten, Schritt fahren, Abstand halten, jederzeit bremsbereit sein — und immer damit rechnen, dass Fußgänger spontan die Richtung ändern oder stehenbleiben. Denn in freigegebenen Fußgängerzonen sind Radfahrer nur „zu Gast“ “. Diesem Statement schloss sich auch die FDP und der Vertreter der „Grünen“ an.




Gefahrenpunkte der Umleitungsstrecke

Die gemeinsam von Straßenverkehrsamt, Polizei und ADFC vorgesehene Umleitung führt die Radfahrer und Schülergruppen aus dem Gymnasium über die Von-Diergardt-Straße, entlang des Marktplatzes, der Felix-von-Roll-Straße und der Gezelinallee zur Oulustraße und Odenthaler Straße. Die FDP wies darauf hin, dass dieser Weg für Schüler gefährlich sei, weil es an Markttagen und in der Gezelinallee viel Auto-Einkaufsverkehr gibt. Die Umleitung ist also kein sicherer Schulweg im Vergleich zur FGZ.


Der ADFC ist allerdings unsicher, ob alle Radfahrer diese Umleitung fahren werden. Die Radler werden stattdessen den mit „Fußweg, Radfahrer frei“ ausgeschilderten Weg entlang der Oulustraße bis zur Gezelinallee nehmen. Probleme stellen sich dann ein, weil dieser Weg ziemlich schmal ist und man auch hier auf Fußgänger achten muss. Zudem führt dieser Weg sehr nah an Geschäften und Hauseingängen vorbei, so dass auch hier Gefahren lauern.

An der Einmündung „Münsters Gäßchen“, wo der geradeausfahrende Radler Vorrang hat, wird er von abbiegenden Autofahrern „übersehen“, so dass es zu Beinahezusammenstößen kommt. Polemisch gefragt: Sind diese Autofahrer die gleichen Leute, die sich über die Rücksichtslosigkeit der Radfahrer in der FGZ beschweren?


Sichere Radfahrer dürfen zwar auch direkt auf der Oulustraße fahren, was allerdings gerade nachmittags wegen des starken Auto- und Busverkehrs nicht angenehm ist. Eine komfortable und sichere Durchquerung von Schlebusch ist also auch für radelnde Berufspendler nur durch die FGZ sicher. Der Zugang zur FGZ für Radler über „Münsters Gäßchen“ ist zudem umständlich, weil diese Straße teilweise Einbahnstraße ist und Radler zu Umwegen zwingt. ADFC als auch von der FDP sehen durch all diese Probleme die Gefahr, dass während der Sperrung der FGZ die Radler auf diesen Straßen und Einmündungen gefährdet sind und insbesondere Schüler zu Schaden kommen können.


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ADFC ist für eine „Miteinanderzone“

In Schlebusch handelt es sich nicht um eine reine Fußgängerzone, da von Anfang an das Radfahren in der FGZ gestattet war und zudem eine Radroute hindurch ausgeschildert ist. Somit handelt es sich also um eine gemischte Zone. Die FDP betonte am Ende der Ortsbegehung, dass „das Radfahrverbot in Schlebusch ist ein politischer Schnellschuß“ sei und sie seine Umsetzung verhindern will.


In dieser Einkaufszone, die vielfältig genutzt wird, gab es im Sommer immer wieder Platzprobleme, weil die beiden Außengastronomien so „zusammenwachsen“, dass für Fußgänger, Kinderwagen, Rollatorfahrer und Radfahrer sehr wenig Platz bleibt. Dadurch kommt es immer wieder zu Rangeleien und jetzt wohl auch zu dem Vorstoß des Seniorenforums. Paradoxerweise wird der Durchgang aber durch schiebende Radler noch enger, da sie mehr Platz einnehmen.
Es stellte sich angesichts dieses Engpasses aber auch die Frage, wie im Notfall die Feuerwehr diese Stelle noch passieren soll. Seit dem Beschluss der Bezirksvertretung und der Kontrolle vom „Fachbereich Straßen“ der Stadt Leverkusen halten sich die beiden Caf├ęs an die vorgeschriebenen Aufstellflächen, so dass es beim Ortstermin genügend Platz gab, dass ein Radler unserer großen Gruppe problemlos begegnen konnte.


Die „Werbe- und Fördergemeinschaft für Schlebusch“ hat eine Umfrage in zwölf Geschäften und im Alten Bürgermeisteramt durchgeführt, um zu erfahren, wie viele Kunden gegen das Radfahrverbot sind. Das Ergebnis zeigte, dass von 1486 Kunden 72 Prozent gegen das Radfahrverbot sind. Inzwischen sind auch zwei Bürgerbeschwerden gegen das Verbot bei der Stadt Leverkusen eingegangen.


Der ADFC plädiert für eine „Miteinanderzone“ in Schlebusch. Ein Begriff, den der ADFC Aschaffenburg für seine dortige Fußgängerzone vorgeschlagen hatte und damit für den „Deutschen Fahrradpreis“ nominiert wurde. Zwei neue ADFC-Mitglieder haben unseren ADFC darauf aufmerksam gemacht. Und auch die FDP war von dieser Bezeichnung sofort überzeugt, so dass auch sie sich für eine „Miteinanderzone“ einsetzen würde.
Passend dazu hatten damals die Schüler der Gesamtschule „Ophovener Straße“ zur Errichtung der Fußgängerzone ein Plakat gestaltet, das zur gegenseitigen Rücksichtnahme aufruft.


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Diskussion unter den ehrenamtlich Aktiven des ADFC


Innerhalb der Gruppe der ehrenamtlich aktiven Radlerinnen und Radler wurde das Radfahrverbot in Schlebusch kontrovers diskutiert. Vor allem im Vergleich mit den FGZ in Wiesdorf und Opladen, wo es zeitliche Verbote gibt, wurde die Situation in Schlebusch analysiert. Für ein Verbot sprach aus Sicht einiger Aktiver, dass Fußgänger auch mal ungestört gehen und nicht ständig auf den Verkehr achten wollen. Allerdings handelt es sich ja um eine Einkaufszone und nicht um einen Park. Ein eher resignierendes Argument war, dass es immer Radfahrer gibt, die keine Rücksicht nehmen und damit das Verbot legitimieren. Allerdings wurde im Aktivenkreis auch darauf verwiesen, dass man ein rücksichtsvolles Verhalten auch kontrollieren und ahnden kann.
Deshalb sollte die Beschilderung „Rücksicht nehmen“ auffälliger platziert werden und zudem Aktionen für ein rücksichtsvolles Miteinander in der FGZ durchgeführt werden. Die Argumente im Aktivenkreis gingen dann so weit, dass wegen der vielen Unterbrechungen der Radwegweisung durch gesperrte Fußgängerzonen oder unpassierbare Wege (zum Beispiel Rialtobrücke in Wiesdorf) ein Ausschluss aus der „Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Städte“ beantragt werden sollte. Denn in den letzten Jahren sehen einige der Aktiven in Leverkusen trotz wachsendem Fahrradverkehrs (auch mit Pedelecs!) immer nur Einschränkungen einer zügigen Radfahrt.

Erfolg des Einsatzes von FDP und ADFC

Das Radfahrverbot wird vorerst nicht umgesetzt. Stattdessen wird es eine Befragung der Bevölkerung zur Akzeptanz eines Radfahrverbotes geben. Hintergrund sind viele Beschwerden aus der Bevölkerung, die gefährliche Umleitungsstrecke und die Unmöglichkeit, das Radfahrverbot durch die Polizei kontrollieren zu lassen.

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Radfahren in Schlebuscher Fußgängerzone weiterhin erlaubt, Leverkusener Stadtanzeiger, 03. September 2015

Radlerverbot in Schlebusch abgelehnt , Leverkusener Stadtanzeiger, 27. August 2015

Radfahrverbot sorgt für hitzige Debatten, Leverkusener Stadtanzeiger, 26. April 2015

Wütende Proteste gegen Radfahrverbot, Rheinischen Post, 27. April 2015

„Vorerst kein Radfahrverbot“, Leverkusener Stadtanzeiger vom 6. Juli 2015



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